Geschichte des Polo

dsc_0202Die Kunde des Polospiels verliert sich im Dunkel der Zeiten. So faßt Carl Diem, der Organisateur der Olympischen Spiele 1936 in Berlin und mit weitem Abstand der bedeutendste Forscher der Geschichte des Polo, das Ergebnis seiner langjährigen Studien zusammen.

Es ist nicht möglich, das genaue Enstehungsdatum des Polos zu registrieren, dagegen gilt als sicher, daß Polo bereits vor 2.700 Jahren, also ca. 700 v. Chr. in Persien gespielt wurde, d.h. entwickelt, ästhetisiert und von dort an die Völker des Vorderen- und Hinteren Orients weitergegeben wurde. Im persischen Raum ist seit urdenklichen Zeiten das beste und zahlenmäßig größte Pferdematerial vorhanden. Nicht nur aus diesem Grund waren die Perser die besten Kavalleristen der Antike. Der tiefere Grund für die Schöpfung des Polos als Spiel aber liegt in der historisch-politischen Überlegenheit der Perser.

Heute schwer vorstellbar fungierte die Auszeichnung und Ertüchtigung im Polo buchstäblich als Wertungsmaßstab. Dies ging sogar so weit, daß viele Herrscher fast alle politischen und die wichtigsten Staats- und Militärämter ausschließlich nur noch mit Persern besetzten, die gute Polospieler waren. Unter Akbar dem Großen und den chinesischen Kaisern wurde diese Tradition sogar so konsequent gehandhabt, daß jede Art von Beförderung im Polospiel erkämpft werden mußte. Sobald die Spielerqualitäten eines Beamten oder Offiziers nachließen, wurde er dementsprechend strikt degradiert oder sogar aus den Diensten eines Herrschers entfernt.

Um den Werdegang des Polo und seine Verknüpfung mit der Geschichte des alten Persien zu verstehen, ist eine historische Rückblende angebracht. Persien oblag die historische und mit unermeßlichem Opferblut gelöste Aufgabe, mit allen Eroberern zu ringen und sie zur Kultur zu führen.

Es bildete seit vorgeschichtlichen Zeiten den Wall gegen die immer wieder von Innerasien heranstürmenden Steppenvölker. Die Bedeutung der persischen Kultur für den gesamten Orient ist ebenso gewaltig wie unvergänglich. Sie begann mit dem Einfluß der Perser auf die Ägypter, Mesopotamier, Juden und Griechen. Und sie setzt sich im Hinblick auf die Araber, die Persien zeitweise unterjochten, fort. Sie wirkte bis China und später auch bis auf Japan. Sie erfüllte die rohen Sitten der Mongolen, als diese später Herrscher über Westasien wurden. Die Intensität dieser Wirkung kann etwa dann verständlich werden, wenn man sich beispielsweise an einen der Gewaltigsten, aber Kühnsten unter den Mongolen, Timur, erinnert, der, persische Lieder singend, in seine grausigen Schlachten zog.

Auch die Mongolenherrscher in Indien und wer ihnen dort von Kaiser Akbar bis zu den Maharadschahs von Jaipur die Krone trug, konnte sich dem Bannkreis persischen Geistes nicht entziehen. Und ebenso gefangen in dieser Kraft waren die Mamelukenkaiser Ägyptens und die Sultane der Türken. Die Taten aller dieser Herrscher und Völker spiegelten sich in den feingezeichneten Bildern persischer Maler wider. Persische Dichter und Geschichtsschreiber zierten die Höfe von vielen dieser Eroberer.

Die Großen der Geschichte, die den Reichtum des persischen Geistes und der persischen Kultur erkannten und bewunderten, nahmen die Sitten und die Weisheiten aus Persien mit an ihre Höfe. Es sei nur an Alexander den Großen erinnert, der nach seinen grauenvollen, blutigen Schlachten gegen die Perser schließlich sogar seine Tochter dem Perserkönig zur Frau gab. Die Juden zogen Messiasglauben aus der persischen Religion. Die Parther gewannen ihre Stärke mit persischer Kraft und konnten damit den Römern trotzen. Die Araber, Seldschuken, Mongolen und die vielen anderen Völker Persiens erlagen alle der persischen Kultursubstanz. Auf diesem ruhmvollen Hintergrund also zeichnet sich die Geschichte und Verbreitung des Polospiels, die gleichzeitig die persische Heldengeschichte ist, ab.

Nach den frühesten direkten Erwähnungen des Polospiels in den Pechlewitexten (3. Jahrhundert n. Chr.) verbreitete sich Polo im ganzen Orient wie ein Lauffeuer. Die Berichte sind von da an mannigfach. Im Jahre 627 wird zum ersten Mal Polo in China erwähnt. Gegen Anfang des 8. Jahrhunderts importierten die Chinesen bereits die über viele Jahrhunderte hinweg berühmten Polopferde aus Turkestan. Die T\’angdynastie und die Sungdynastie waren heute kaum noch vorstellbare Blütezeiten des Polos in China, in der Polo geradezu den Stellenwert einer Staatsreligion erreichte. Im 9. Jahrhundert hält Polo in Japan und Korea Einzug. Danach führen die Hindukaiser Polo ein. In Byzanz treten die Kaiser Michael III. (842-867), Basilius (867-886), Konstantin Porphryogenius (940), Alexius I. (1081-1118) und Manuel Komnens (1145) als große Polospieler auf und verbreiten und verfeinern Polo dortselbst. Die Mogulkaiser Indiens (Baber II. u.a.) und schließlich Akbar der Große (1542-1605) vertiefen und verfeinern Polo im indischen Raum, wo es schließlich – wie in den vorderorientalischen Staaten und in China/Japan – gleichsam zur Ideologie wird und einzigartige Triumphe feiert. Es enstehen großangelegte, gewaltige Polospielanlagen, deren Pracht und Großzügigkeit erstaunlich sind. Erhalten geblieben von den überragenden Anlagen dieser Art ist bis heute der Platz von Isphahan, der übrigens von dem Palast (20 mal so groß wie Versailles) umgeben ist.

Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts geht das Polo seinem vorläufigen Ende zu, um ca. 1830 von dem englischen Kapitän Pemberton bei den Manipuris wiedergefunden zu werden. Im Jahre 1859 wird von Lt. Sherer in Silchar (Manipur) der englische Poloclub gegründet. E. Harttop legt 1869 die ersten Poloregeln in englischer Sprache nieder. 1871 findet in Aldershot das erste öffentliche Wettspiel zwischen den englischen Traditionsregimentern 9th Lancasters und 10th Hussars statt. Danach hat sich Polo in der ganzen westlichen Welt bis zum heutigen Tage verbreitet.

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